Le Havre hat im Laufe seiner Geschichte viel miterlebt. Die Stadt wurde von Franz I. gegründet und wurde zu einem bekannten Badeort während der Belle Époque. Während des Zweiten WK unterlag di Stadt einem Bombenhagel und wurde danach vom bekannten Architekten Auguste Perret wiederaufgebaut. Sie sollte lebenswert, modern, funktionell sein, mit viel Licht und als Musterstadt der Moderne auferstehen. Auf 130 Hektar sollte für 60.000 Menschen eine neue Stadt im Stil von Le Corbusier geschaffen werden. Die Gebäude entstanden aus den Ruinen der alten Stadt, die während des Krieges zerstört worden war. Die Schuttberge wurden zermahlen und mit feinen Glassplittern oder Kieselsteinen vermischt. So entstand der Beton von Perret, den er selbst – mit seiner bescheidenen Art- so definierte: „Mein Beton ist schöner als Stein, dessen Schönheit die edelsten Baumaterialien übertrifft. Er hat seine eigene Poesie“. Perret hat ein Stadtgebilde geschafft, das Eigenschaften einer klassischen mit einer modernen Stadt verbindet. Le Havre wird deshalb heute als Schulmodel des Wiederaufbaus in den Architekturschulen aller Welt studiert. Die weltweite Anerkennung erhielt er 50 Jahre später. 2005 wurde die Stadt für die zukunftsweisende Architektur ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen:

St. Joseph-Kirche

Mit ihren 107m ist die St. Joseph-Kirche ein Wahrzeichen der Stadt und Symbol der Wiedergeburt und des Wiederaufbaus. Sie wird auch als maritimes Tor von Frankreich anerkannt, was dem religiösen Bauwerk eine weltliche Anerkennung verleiht. Bereits 10 Jahre nach ihrer Fertigstellung wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. Aus der Zusammenarbeit zwischen Perret und der Glasmachermeisterin Marguerite Hurè Félicité entstanden zwei einmalige Gebäude: die Notre-Dame Kirche in Raincy (1923) und die St.Joseph-Kirche in Le Havre (1957). Aus durchbrochenen Betonsteinen wurden hohe vertikale Fenster errichtet, mit 12.768 mehrfarbigen und mundgeblasenen Glasfenstern mit Motiven und Farben die der theologischen Weltvorstellung entsprechen. 700 Tonnen Stahl, 50.000 Tonnen Beton und 71 Pfähle bilden das Fundament des Kirchenbaus. Der quadratische Grundriss hat die Form eines griechischen Kreuzes und vier Pfeilergruppen tragen den achteckigen Laternenturm. Das Besondere der Kirche entdeckt man erst beim Betreten des Raumes, nämlich der Kontrast zwischen den warmen Lichtstrahlen und der Schlichtheit des kühlen, kalten Betons im Inneren der Kirche.

Moderne Kunstmuseum Andre Malraux – MuMa

Das erste Kunstmuseum – mit Meeresblick - von Le Havre wurde 1845 vom Architekten Charles Fortuné Louis Brunet-Debaines gegründet. Ursprünglich bestand die Museumskollektion aus sehr unterschiedlichen Objekten: Gemälde, Skulpturen und naturhistorischen Fundstücken. Auch die Stadtbibliothek fand hier sein Zuhause. 1881 übersiedelte das Museum in ein Gebäude an der Place du Vieux-Marché. Während des Zweiten WK wurden zahlreiche Kunstobjekte in Folge der Bombenangriffe zerstört. Die 1.500 Gemälde im Museum konnten glücklicherweise noch gerettet werden. 1951 entschloss sich die Stadt ein neues Museum zu erbauen. Reynold Arnould, der in Le Havre geborene Künstler, und der Direktor der Musée de France, George Solles, engagierten sich für die Errichtung eines Gebäudes das auch als Kulturzentrum dienen sollte mit verschiedenen Angeboten: Räume für Vorträge, Kino, Konzerte, eine Kaffeehaus und eine Bibliothek waren geplant. Als Architekten wurden 1952 Guy Lagneau und seine Mitarbeiter ernannt. So entstand das neue Museum direkt an der Seinemündung: ein Kubus aus Stahl, Aluminium und viel Glas, in dem das natürliche Licht eine primäre Rolle spielt. Das Museum trägt den Namen des französischen Kulturministers, der es am 24.Juni 1961 eröffnete. Im Museum befinden sich italienische Barockgemälde, niederländische und flämische Gemälde, aber vor allem Werke der Impressionisten. Die Seerosen von Claude Monet befinden sich hier, aber auch Werke von Degas, Sisley, Courbet und Renoir, sowie der Spätimpressionisten wie Gauguin und der Symbolisten. Von 1995 bis 1999 wurde das Gebäude von den Architekten Emmanuelle und Laurent Beaudoin vollständig umgebaut und nennt sich heute MuMa („Mu“ steht für Museum, „Ma“ steht für Malraux)

Park von Rouelles

Wer gerne wandert und sich in der Natur erholen möchte wird sich im 160 großen Park von Rouelles wohl fühlen. Es ist der zweitgrößte Park der Stadt. Im Durchschnitt braucht es 2 Stunden, um das Gebäude zu durchlaufen. Die Naturlandschaft ist im Park sehr unterschiedlich. Hier finden sie weite Wiesen, Wälder, Teiche und Sümpfe. Im Park gibt es einen Bauernhof, ein Landhaus und ein Taubenhaus aus dem 17.Jahrhundert. Im Landhaus befindet sich eine bemerkenswerte Sammlung von Werkzeugen und traditionellen Alltagsgegenstände aus der Bauernkultur. Den Park kann man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. Im Ausstellungsraum des Hofes gibt es auch eine sehr umfangreiche Ausstellung über die Flora und Fauna des Parks. Eine Besonderheit des Parks ist das Arboretum. Es wurde Anfang der 80er Jahre errichtet und besteht aus 259 verschiedenen Sorten, die in 36 Familien unterteilt sind. Man findet hier Buchen, Hainbuchen, Kastanienbäume, aber auch exotische Pflanzen wie Eukalyptus, Chili, Scheinbuchen, amerikanische Ulmen und Ginkgo Biloba. Um genauere Informationen über die Bäume zu erhalten, kann man sich kostenlos die App vom Nationalen Forstamt, dem Ministerium für nachhaltige Entwicklung und der Good Planet Stiftung herunterladen. Genauere Infos findet man auf der Internetseite von Tela Botanica.

Museum-Haus des Reeders

In der Nähe des Hafens von Le Havre befindet sich dieses elegante Gebäude, das heute in ein kleines Museum umgewandelt wurde. In der Wohnung befinden sich Kuriositäten, die Bibliothek und das Arbeitszimmer eines reichen Kaufmannes von Le Havre. Der Architekt Paul-Michel Thibault beschloss 1790 dieses Gebäude in einem Stadtviertel für wohlhabende Familien zu bauen. Der Kaufmann und Stadtrat Martin-Pierre Foäche kaufte im Jahr 1800 das Haus, in dem er die Wintermonate mit seiner Familie verbrachte. Die Fassade entspricht der typischen Architektur Ludwig XVI. Besonderheit des Hauses sind die Parkettböden, die aus seltenem exotischem Holze bestehen und die Steinböden mit ihren geometrischen Mustern. Im Museum werden auch temporäre Kunstausstellungen organisiert.

Docks Vauban

Wer sich lieber einen Tag im Einkaufszentrum gönnen möchte kann sich in den 66.000m2 der Docks Vauban vergnügen. Das Gebäude entstand aus alten Lagerhallen, die seit 1846 für mehrere Jahrzehnte der größte Kaffeespeicher Europas waren und heute als Symbol der Industriearchitektur des 19.Jahrhunderts gelten. Seit der Eröffnung, am 14.Oktober 2011 sind sie das größte Einkaufs - und Freizeitzentrum der Stadt. Rund 18 Monate arbeiteten täglich 200 Bauarbeiter für die Umgestaltung des Gebäudes. Man versuchte der ursprünglichen Gebäudestruktur möglichst treu zu bleiben. Heute gliedert sich das Areal in zwei großen Bereichen. Tagsüber kann man in den verschiedenen Läden shoppen. Abends hingegen gibt es die Möglichkeit in den 12 Sälen des Multiplexkino einen Film anzuschauen oder die zahlreihen Bars und Restaurants zu besuchen.

Montgeon Wald

Der Montgeon Wald ist ein 270 Ha großer Naturpark der perfekt für Sportliebhaber ist mit zahlreichen Rad und Wanderwegen, Fitnesspfaden und Entdeckungspfade. Im Herzen des Parks befinden sich mehrere Sportwege mit Fitness Trails, Fußballfelder und Spielplätze für Kinder und Laufbahnen für den Orientierungslauf. Der Zugang zum Park ist kostenlos. Wer lieber in der Sonne liegen möchte, dem stehen 30 Ha Rasen zur Verfügung. Im Park befindet sich seit 1995 auch ein Nadelwald-arboretum das jährlich um 10 neue Pflanzen bereichert wird. Heute befinden sich hier 115 verschiedene Pflanzengruppen. Genauso wie im Park de Rouelles, so können auch hier wissensbegierige Besucher kostenlos die App vom Nationalen Forstamt herunterladen die es ermöglicht die 29 Arten von Laub und Nadelbäumen zu identifizieren. Genauere Infos erhalten sie auch hier auf der Internetseite von Tela-Botanica, das botanische Netzwerk Frankreichs.

Die Hängenden Gärten

Pflanzenliebhaber können seit 2008 die 17 Ha der hängenden Gärten besuchen. Das Gebäude wurde auf einer alten Festung errichtet und bietet einen wunderschönen Blick über die Seine-Bucht, dem Meer, den Hafen und die Stadt von Le Havre selbst. Das Projekt einen Garten auf einer früheren Verteidigungsanlage zu errichten wurde durch die Zusammenarbeit des Landschaftsarchitekten Samuel Craquelin, des Architekten Olivier Bressac und des Botaniker Jean-Pierre Démoly möglich. 2014 erhielten die Gärten die Auszeichnung „Jardin remarquable“. Seit 2017 sind die Gärten offiziell als „Botanischer Garten“ anerkannt. Im Innenhof befinden sich die Gewächshäuser, die Versuchsgärten, der grüne Teppich und die Sammlung von Duftpflanzen. Auf dem höheren Teil der Anlage befinden sich vier thematische Gärten, die in den alten Bastionen angelegt wurden. Inspiration für diese Anlage waren die hängenden Gärten der Semiramis und die Seefahrertradition der Normannen. Forscher und Botaniker des 15. und des 18. Jahrhunderts ermöglichten es exotische Pflanzen in die Normandie zu bringen, wie z.B. die Douglastanne oder die chilenische Araukarie. In den Bastionen befinden sich: der asiatische Garten, der nordamerikanische Garten und der australische Garten. Jedes Gewächshaus entspricht einer besonderen Klimazone und deren typischen Vegetation. Im tropisch feuchten Gewächshaus findet man Orchideen und Bananen, im Wüstenklima hingegen Sukkulente und Kakteengewächse. Im „Jardin d’essais“ befindet sich der Versuchsgarten und 24 wunderschöne Blumenbeete. Der Besuch lohnt sich und ermöglicht es tolle Ideen für den eigenen Garten nach Hause mitzunehmen.

Der Vulkan

Oscar Niemeyer, der Vater der beiden Gebäude „Le Petit“ und „Le grand Volcan“ wurde 1907 in Rio de Janeiro geboren. Als er dort 1936 den charismatischen französisch-schweizerischen Architekten Le Corbusier kennenlernte wurde dieser zu seinem Vorbild. Le Corbusier ging 1929 auf seine erste Südamerikareise, wo er mehreren Vorträgen über die Architektur hielt. Im Zuge der zweiten Lateinamerikareise lernte er Niemeyer kennen. Zusammen mit dem einheimischen Architekten, Lucio Costa, entworfen sie das Gebäude des Erziehungs- und Gesundheitsministeriums von Rio de Janeiro. In Folge des Militärputsches von 1964 floh Niemeyer nach Frankreich und wurde hier unter dem Schutz vom Kulturminister André Malraux aufgenommen. In Le Havre ist er für seine zwei Werke bekannt: der große und der kleine Vulkan. 1982 wurde der Vulkan als Haus der Kulturen eröffnet, mit dem Ziel das Stadtzentrum neu zu beleben. Den großen Vulkan (der wegen seiner Form eines abgeschnittenen Kegels so genannt wird) erkannt man von außen an der Skulptur einer geöffneten Hand.  Hier befindet sich ein Theater, die Bühne der Scène National; in der Bar werden Live-Konzerte, Poetry-Slams und Kabarettabende organisiert. Der kleine Vulkan dient als Mehrzweckhalle und seit dem 3.November 2015 befindet sich hier eine hochmoderne Medienbibliothek mit Fachliteratur, Belletristik und Zeitschriften für alle Altersgruppen. Drei Rampen führen zum Forum, in dem sich beide Gebäude befinden, die durch Untergeschosse verbunden sind.

Wohnung Témoin

Rue de Paris 181 verbirgt ein kleines Schmuckstück: die Wohnung Témoin. Es handelt sich um eine 99m2 große Wohnung einer typischen Familie aus den 50-er Jahren. Sie symbolisiert eine Standartwohnung der Nachkriegszeit, die günstig und in der Zeit dauern sollte, mit einem besonderen ästhetischen Reiz. Die Wohnung, die von Perret 1949 als Modellwohnung entworfen wurde, besteht aus: dem Eingang, der Küche, dem Wohnzimmer, ein Büro, ein Badezimmer und ein Schlafzimmer. Die Inneneinrichtung erinnert an den Stil von René Gabriel, Marcel Gascoin und André Beaudoin. Der Besucher hat die Möglichkeit anhand von Alltagsgegenständen einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Auch hier finden wir zwei Elemente die Perret besonders zu Herzen waren: Licht und Beton.

Entdecke Nordeuropa mit den Kreuzfahrten von Costa

Die Küsten Nordeuropas verbergen einzigartige Städte, wie Le Havre, die sich im Nordwesten Frankreichs befindet, in der Region Normandie. Mit Costa können sie einen facettenreichen Urlaub erleben, in dem sie die Geschichte Europas besser kennenlernen können und sich an Bord mit allen Komforts zwischen dem einen und dem anderen Tagesausflug ausruhen können.